Demokratische Party

Ich habe eine demokratische Party geschmissen und alle Bewohner meines Hauses eingeladen. Insgesamt wohnen im Haus 163 Leute. Gekommen sind aber nur 100 Menschen. Das entspricht etwa 61,4% der eingeladenen Gäste. Auf dieser Party habe ich natürlich partytaugliche Getränke angeboten. 15 verschiedene, darunter Cola, Campari, Bier, Rotwein, Pfefferminzlikör und Schlumpfenpisse. Im Prinzip war von jedem Getränk genug für alle da. Eine Einschränkung gab es allerdings: Es mussten sich mindestens 5 Personen für ein Getränk entscheiden, damit es sich lohnte, die Flasche zu öffnen.

Getränke bis zur nächsten demokratischen Party

Im Haus wird es bis zur nächsten Party nur die Getränke geben, die auf dieser Party geöffnet wurden. 43 Personen wollten Campari, 28 wollten Cola und 5 wollten die Schlumpfenpisse. Alle anderen Getränke fanden nicht genug Anklang. Also gibt es für alle 163 Bewohner des Hauses bis zur nächsten demokratischen Party nur diese drei Getränke. Die Regeln waren allen eingeladenen Gästen von vorn herein klar. Doch werden nun Stimmen laut, die da sagen, 120 Leute hätten sich nicht für Campari entschieden, bzw. mehr als die Hälfte der eingeladenen Gäste hätten sich weder für Campari, Cola noch für Schlumpfenpisse entschieden.

Mit dieser Argumentation wollen sie die Getränkeauswahl bis zur nächsten Party delegitimieren. Sie behaupten, es sei keine demokratische Entscheidung, dass es fortan nur noch Campari, Cola und Schlumpfenpisse geben würde. Dass es von 15 angebotenen Getränken fortan nur 3 Getränke geben wird, ist für sie nicht hinnehmbar. Der Wunsch von 24 anwesenden Gästen wird fortan nicht berücksichtigt, da sie sich für eines der 12 anderen angebotenen Getränke entschieden haben. Klar ist es da schwierig, dass sich für mehrere Getränke eine Mindestzahl von 5 Trinkern findet.

Wer nicht zur demokratischen Wahl kommt, darf nicht meckern

Dass 63 Bewohner des Hauses nicht zur Party gekommen sind, ist sehr schade. Vielleicht hätte es dann fortan ein vielfältigeres Getränkeangebot gegeben. Aber diese 63 Leute haben die Einladung bekommen und sich bewusst dagegen entschieden, über die Getränke mitzubestimmen und somit ihre Stimme anderen überlassen. Das ist ihr demokratisches Recht. Ich zwinge ja niemanden, zu meiner Party zu kommen. Und wenn diese sagen, sie kamen nicht, weil ihnen keines der 15 angebotenen Getränke passte, liegt es an ihnen, selbst Getränke herzustellen und für die demokratische Party zur Verfügung zu stellen. Ich kann nur die Getränke anbieten, die mir Hersteller zur Verfügung stellen. Und wenn diese Partymuffel sagen, ihre Stimme sei wertlos, weil am Ende ohnehin keine vernünftige Getränkeauswahl da wäre, ist das ihr Bier, nicht meines. Ich als Partyveranstalter bin meinen demokratischen Pflichten nachgekommen.

Ja, es gibt diese 24 Gäste, die zwar gewählt haben und am Ende leer ausgingen. Die könnten ihre Stimme als wertlos bezeichnen. Aber sie haben sicherlich dennoch ein Zeichen gesetzt und klar gemacht, dass sie mit den Siegergetränken nicht zufrieden sind. Das könnte die Hersteller aller Getränke animieren, künftig an der Rezeptur zu feilen. Und wenn sich die 24 unglücklichen Gäste beschweren wollen, sollten sie das vielleicht bei den Hausbewohnern tun, die sich dafür entschieden haben, nicht zur Party zu kommen – immerhin 63 Leute. Mit ihnen hätte ein Ergebnis erreicht werden können, das zumindest deutlich mehr Gäste zufrieden gestimmt hätte.

Komm zur nächsten demokratischen Party!

Nun müssen also alle Hausbewohner mit Campari, Cola und Schlumpfenpisse bis zur nächsten Party leben. Es wurde demokratisch so entschieden. Da auch der Hausbesitzer die Demokratie liebt, wird er das demokratisch erlangte Ergebnis würdigen und durchsetzen. Wem das nicht gefällt, dem bleibt leider nur, auszuziehen. Vielleicht möchten sie lieber in ein Haus in der gleichen Straße ziehen, in dem es andere Getränke gibt. Vielleicht wollen sie auch in eine ganz andere Straße ziehen, in deren Häusern es eine deutlich eingeschränkte Getränkeauswahl gibt. Oder eben in ein Haus, in dem es nicht so demokratisch zugeht und es einfach nur ein Getränk gibt.

Was ich meinen Gästen jedoch sagen möchte: Je mehr von euch meine Einladung beim nächsten Mal annehmen, desto mehr zufriedene Gäste wird es geben. Den Vorwurf, meine demokratische Party sei nicht demokratisch gewesen, möchte ich vollumfänglich von mir weisen. Jedes partytaugliche Getränk wurde angeboten, jeder war zur Party eingeladen und jede Stimme hatte gleiches Gewicht.

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